Kleindenkmale 2. Religion & Glaube

Wegkreuz Auf der Eiche Auf der Eiche / Am Pannes

50.771621, 6.296155; Q7CW+JFR Stolberg

Dort, wo die Gressenicher Straße (L 12) von Mausbach aus in Am Pannes übergeht, wurde 2011 auf dem Grünland an der Abzweigung Auf der Eiche schräg gegenüber der Halle mit dem Netto Marken-Discount von den Gressenicher Ortsvereinen ein hölzernes Wegkreuz errichtet.

W. Schindler (2014) nennt es ein Segenskreuz.1 Einen darauf ausgebrachten Segen konnte ich nicht feststellen. Indes handelt es sich bei dem Kreuz um eine Erneuerung: Bereits in der Tranchot-Karte 1805/07 ist an diesem Standort deutlich auf der Kreuzung von vier Wegen ein Flurkreuz verzeichnet und dies setzt sich in der preußischen Uraufnahme (1836-50) und in der preußischen Neuaufnahme (1891-1912) fort.2

Ausstattung

  • Passionskreuz aus Holz an Eisenträgern, Gesamthöhe über Boden ca. 3.2 m. Eisenträger = U-Eisen ca. 85 cm H über Boden in eingelassenem Betonfundament. Holzkonstruktion an Trägern ca. 43 cm über Boden.
  • Längsbalken ca. 2.8 m, oben aufgesetzte Kappe aus Zinkblech. Querbalken L ca. 1.45 m, v. li. ca. 65 + 14.2 + 65.5 cm. Balken B x T 14.2 x 10.5 cm.
  • Am Querbalken aufgesetzte und spitz überdachte sechseckige Eichentafel mit Kruzifix, Tafel B x H ca. 57 x 64 cm. Kruzifix mit hölzernem lat. Kreuz. Corpus NE-Metall Hohlguss, Kopf bis Fuß ca. 40 cm, Klafterweite ca. 36 cm, Dreinagelkreuzigung. Giebeldach mit je 4 Schieferschindeln, Schrägen je ca. 40 cm, im Abschluss unten überlappende Schindeln je ca. 4.5 cm.
  • Kreuz lasiert, Tafel vorne glänzend lackiert. Aktuelles Votiv: Blumengebinde aus Plastik über dem Abschluss der Trägereisen.
  • Rechts neben dem Kreuz: Natursteinblock, Konglomerat B x H x T 120 x 100 x 50 cm, aufgebrachte Tafel Bronze B x H 25 x 14 cm mit Inschrift "„Neu errichtet von den Gressenicher Ortsvereinen [sic!:]„ / Gressenich im Mai 2011".

Ein Foto etwa von 2008 zeigt an selber Stelle ein einfaches lat. Kreuz ohne Corpus.3

Bedeutung/Provenienz

Wenn schon in der Tranchot-Karte verzeichnet, dann dürfte das Kreuz älter sein und vermutlich signifikant älter: Auf den Gelände des gegenüberliegenden Discounters wurden 2010 spätantike Siedlungsreste gefunden. Nach weiterer Befundung mit römischen Relikten dürfte das Kreuz die Scheide von der römischen, mithin heidnischen zur mittelalterlichen, mithin christlichen Bebauung mit dem Gressenicher Hof und einer Fiskalkirche markiert haben. Im 19. Jh. waren dergleichen Relikte noch deutlich über Bodenniveau zu sehen.

1W. Schindler (2024): Zeugen der Geschichte und Geschichten; Stolbergs Wegekreuze, Kapellen, ... Stolberg: Stolberger Heimat- u. Geschichtsverein (Beiträge zur Stolberger Geschichte, Bd. 36). S. 104.

2Topographische Aufnahme der Rheinlande durch J. J. Tranchot und K. von Müffling: Tranchot/Maissiat, Trk Bl. 87 Eschweiler (1805/07) = Preußische Uraufnahme (1836-50, K. von Müffling) = Preußische Neuaufnahme (1893, preuß. Generalstab) online verfügbar über den Geobasisdatendienst tim-online des Landes NRW (zuletzt geprüft am 21.2.2025).

3Ausdruck aus der Power-Point-Datei R. Scholl (März 2008): Kreuze in Gressenich; Symbole unseres Glaubens. AGM 265-000016-D.

Wegkreuz Auf der Eiche / Am Pannes im Februar 2025

Wegkreuz Buschhausen / Eller Kreuz Elle 24

50.769375, 6.302347; Q892+PWX Stolberg

In dem vom Straßenzug Elle am Omerbach im Süden Gressenichs dreieckig umschlossenen Platz vor Elle 24 präsentiert sich auf Buschhausen zu das Wegkreuz Buschhausen oder Eller Kreuz. Das eiserne Kruzifix hebt sich unter den Flur- und Wegkreuzen der Umgebung durch eine aufwändige Gestaltung mit Rankwerk, Krabbenbesatz und Strahlenkranz deutlich hervor.

Ausstattung

  • Kunststein, Crinoidea-Kalkstein in sechs Segmenten, Eisenmetall; Gesamthöhe über Boden ca. 2.75 m
  • Fundament Kunststein verschiedener Art und unterschiedlicher Körnung H x B x T über Boden ca. 21 x 135 x 186 cm
  • mehrfach abgestufter Sockel in sechs Segmenten aus Crinoiden-Kalkstein H x B x T ca. 158.5 x 88-48 x 65-37 cm
  • Kruzifix Eisenmetall H ca. 95 cm, Querbalken L ca. 65 cm, Corpus Kopf bis Fuß ca. 40 cm, Klafterweite ca. 25 cm. Lateinisches Kreuz Eisen grau, durchbrochen bzw. Eisenrahmen gefüllt mit Rankwerk, drei Balkenenden dreipassig, diese mit silbrigen Krabben besetzt. Im Balkenende oben silbriger Engelskopf. Silbrige Viernagelkreuzigung vor silbrigem Strahlenkranz, silbrige Aufschrift Antiqua unter zentriertem sechstrahligen Stern "INRI".
  • Kreuzfuß in eisenarmiertem Crinoiden-Kalkstein B x H x T ca. 41 x 23 x 26 cm eingelassen, in diesem links und rechts graviert aus Lilienblättern wachsendes Passionskreuz

Bedeutung/Provenienz

Das Kreuz mit Dreipass in den Balkenenden ist als Kleeblattkreuz bekannt, der Dreipass versinnbildlicht die göttliche Dreifaltigkeit. Aus dem lateinischen Kreuz geformt ist es Lazaruskreuz, das Sterbekreuz, das Hoffnung und Mut machen soll und am Beispiel des Lazarus von Bethanien (Joh 11) die Auferstehung verheißt.

Am Sockel sind dreiseitig je vier parallele Bleidübel vorhanden, die offensichtlich der Anbringung von Schrifttafeln und/oder Schmuck dienten. In Verbindung mit der Formgebung des Kruzifix als Lazaruskreuz könnte es sich um Sterbetafeln gehandelt haben, sodass hier von einem versetzten, typischen Friedhofskreuz mit drei Schauseiten auszugehen wäre.

Pickspuren von einem Spitzeisen oder Zweispitz, die heute auf der Schauseite nach vorne zu sehen sind, lassen sich einer bestimmten Zeit nicht zuordnen. Solche Werkzeuge benutzten Steinmetze schon im römischer Zeit und benutzen sie heute noch. Sie könnten auf die zusätzlich adhäsive Befestigung einer Tafel deuten, sodass vorne eine Tafel angebracht war, an den Seiten Schmuckelemente.

W. Schindler (2024)1 vermutet weiters eine Translozierung vom ehemaligen unweit liegenden Eller Hof und eine Entstehung aus dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648)2 oder als "Trutzkreuz" aus der Franzosenzeit (1793-1814). Nach dem – nicht zuletzt für rege Fantasie bekannten – Volksmund?

Die Tranchot-Karte von 1805/07 als auch unter Berücksichtigung der französischen Besatzungszeit und Annektion der Rheinlande die preußische Uraufnahme ab 1836 sowie die preußische Kartenaufnahme ab 1891 verzeichnen ein Kreuz an einer Wegscheide in der Flur An der Palanderweide.3 Grundsätzlich könnte dafür eine Translozierung in Betracht gezogen werden, weil es heute nicht mehr da ist. Eher wird zu vermuten sein, dass es sich typischerweise um ein Holzkreuz gehandelt hat.

Die Kanten des Steins erscheinen denn auch für ein höheres Alter, und dies noch im Vergleich mit Denkmalen, deren Entstehungszeit genau bestimmbar ist, als zu scharf. Das Kreuz ist Guss und es kommt in dieser oder ganz ähnlicher Form auch in der Kleinkunst ab Mitte des 19. Jh.s. vor, wobei es im 19. Jh. immer wieder Rückgriffe auf frühere Formen gegeben hat, sodass die zeitliche Grenze der Entstehung nach oben offen ist.

Evtl. eine Spolie, worauf unterschiedliche Randbearbeitungen an den Sockelsegmenten und die Eisenzwinge als Halterung im Kreuzfuß deuten mögen. Insgesamt indes wohl kaum früher als späteres 19. Jh.

1W. Schindler (2024): Zeugen der Geschichte und Geschichten; Stolbergs Wegekreuze, Kapellen, ... Stolberg: Stolberger Heimat- u. Geschichtsverein (Beiträge zur Stolberger Geschichte, Bd. 36). S. 107.

2Hier wäre an den Erlass Kaiser Ferdinands III. vom 16. September 1650 zu denken (abgedruckt bei F.A. Edler von Guarient (1704): Codicis Austriaci ordine alphabetico compilati pars prima [...]. Wien: L. Voigt. S. 253): Nach dessen "Befehl an die Land-Leuth und Grund-Herren", an "Strassen, Pässen und Weegschaiden" bestehende Denkmale zu restaurieren und umzuwidmen, sind die sog. Schwedenkreuze entstanden. Sie sollten steinern sein mit ebensolchen Kruzifixen als auch solchen aus "Eisen-Blech", mittig mit der Aufschrift "Lob, Preiß und Danck dem Friedens-Gott / Der uns hat geführt aus Krieges-Noth". Schwedenkreuze sind vor allem in katholischen Landen und insbesondere im süddeutschen Raum unter Einfluss der habsburgischen Lande bekannt. Ein örtlicher Bezug besteht mit den Wittelsbachern, also Bayern, die mit dem Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm ab 1614 das Herzogtum Jülich innehatten und als für die Gegenreformation bedeutsame Kölner Erzbischöfe 1583 bis 1761, hier Maximilian Heinrich von Bayern, installiert waren.

3Topographische Aufnahme der Rheinlande durch J. J. Tranchot und K. von Müffling (1803-1820): Tranchot/Maissiat, Trk Bl. 87 Eschweiler (1805/07) = Preußische Uraufnahme, K. von Müffling (1836-1850) = Preußische Neuaufnahme, preuß. Generalstab (1891-1912) online verfügbar über den Geobasisdatendienst tim-online des Landes NRW (zuletzt geprüft am 24.2.2025).

Wegkreuz Buschhausen / Eller Kreuz im Februar 2025

Cholera-Kreuz Rothe Gasse

50.759799, 6.263705; Q757+WF8 Stolberg

Das Mausbacher Cholera-Kreuz, synonym auch "Pestkreuz" genannt, ist aktuell die Kopie der von Franz Johag aus Krewinkel angefertigten Kopie von 19291, mit der das Kreuz von 1842 ersetzt worden ist. Auf wohl dieses hätten drei Jäger aus Unmut über mangelnde Beute geschossen und seien allesamt eines "jammervollen" Todes gestorben.2

Die Kopie von 1929 wurde ganz überraschend vom städtischen Bauhof entfernt. Sie soll marode gewesen sein. Indes steht sie jetzt immer noch in einem Privatgarten. Dies war auch ein Argument, die Stadt Stolberg zur Erstellung der heutigen Kopie zu veranlassen. Es ist bedauerlich, dass dies nur auf die Beharrlichkeit aus der Bevölkerung zurückgeht, nach Erinnerung von Dr. F. Josef Ingermann vom AGM in einem "zähen Kampf mit Stadtverwaltung und Bauhof".3 Denn dieses Kreuz ist in seiner Art ein im obgleich (abtei-) frommen Münsterländchen einzigartiges Beispiel der religiösen Volkskunst. Leider ist es insoweit aus dem Benehmen mit der Stadt nicht nachvollziehbar geworden, wer die aktuelle Kopie angefertigt hat.

Die 1929er-Kopie steht also in einem Privatgarten, die neue ist 2003 von Pfarrer Norbert Bolz eingesegnet worden und steht an der Rothen Gasse 91 auf der Ecke zur Derichsberger Straße. Das ursprüngliche Kreuz war im Eingang des Cholera-Friedhofs und anlässlich dessen Anlegung 1842 errichtet worden, und dieser Friedhof befand sich an der gegenüberliegenden Seite der Derichsberger Straße, südlich des Langen Ranken. Belegt worden ist er nicht. Indes forderte die Cholera durchaus unter der Bevölkerung Tribut ("Der Blaue Tod").

Denkbar ist, dass der Cholera-Friedhof auf oder nahe der Stelle früherer Begrabungen von Seuchentoten angelegt worden ist und daher das Synonym "Pestkreuz" seinen Grund findet: Die Tranchot-Karte von 1805/07 als auch die preußische Uraufnahme 18364 geben Hinweise darauf, dass in etwa an der heutigen Stelle des Kreuzes, jedenfalls im Bereich der Kreuzung Rothe Gasse / Derichsberger Straße / Langer Ranken, also schon vor 1842 ein Flurkreuz und so vermutlich ein Pestkreuz gestanden hat. Dass es dort vom Boden "faule Erde" heißt, mithin, dass dieser keinen landwirtschaftlichen Nutzen bringt, passt ganz gut zur Anlage eines Friedhofs, und so auch die Flurbezeichnung Engelsweide, von der überliefert ist, sie beruhe auf einer Totenerscheinung.

Ausstattung und Inschriften

Das Kreuz ist bewehrt mit den arma Christi, lat. "Waffen (oder: Wappen) Christi". Es sind dies die Leidenswerkzeuge, das zeichenhafte Motiv der Passion Christi, die solcherweise in formelhafter Vereinfachung als 'Lesebilder' in der Volkskunst eine große Rolle gespielt haben und so auch bevorzugt in Andachtsbildern und Erbauungsschriften vorkamen. (Im Allgemeinen werden bis zu über 30 Leidenswerkzeuge gezählt, darunter zuweilen auch die fünf Wundmale, Stigmata, Christi.)

  • Eiche, Giebeldach mit Kupfer abgedeckt, Höhe in Bodenhülse über alles ca. 3.05 m, Balken: 7 cm stark, längs 17 cm, quer 16.5 cm breit, Querbalken 1.3 m lang
  • auf dem Querbalken, li.: Malchus-Schwert, Geißel, 30 Silberlinge, re.: Zange und Hammer, Spottszepter, Schlagstöcke
  • auf dem Längsbalken von oben: Hahn auf Geißelsäule, in der Kreuzung mit dem Querbalken Dornenkrone, Herz mit drei Kreuznägeln, Abendmahl-Kelch, Sternlilie; Inschriften in Antiqua, über dem Hahn "INRI", unter dem Kelch "ANNO / 1842 / 1929", unter der Sternlilie "O / CRUX / AVE / SPES / UNICA" ("Sei gegrüßt, o Kreuz, du einzige Hoffnung")*

    *für die liturgische Verwendung abgewandelter Strophenanfang aus dem lateinischen Hymnus Vexilla regis prodeunt "Das Königsbanner zieht uns voran", eine weltbekannte frühmittelalterliche Verherrlichung des Kreuzes Christi

Die untere Inschrift lenkt den Blick von den Passionswerkzeugen zurück auf das Kreuz selbst als das wichtigste der Passionsinstrumente.

Bedeutung

Man hat in den arma Christi Waffen des Sieges über Sünde und Tod und solchermaßen gegen den Teufel gerichtet gesehen. An einem Cholera-Friedhof aufgestellt mag dies allenfalls trösten, verleugnet aber auch die Verantwortlichkeit der Menschen für die Verbreitung der Seuche.

"Sei gegrüßt, o Kreuz" ist indes häufig auf Wegekreuzen anzutreffen und mag hier auch mit dem Bedacht gewählt worden sein, dass die Arbeiter aus Werth und Gressenich auf dem Weg in die Stolberger Talachse, wo sie in den Fabriken knechteten, und auch zurück das Cholera-Kreuz passierten. Dieses ermahnte in seiner Bildsprache die der Schrift eher doch unkundigen Arbeiter, dass alleine der Glaube, die "einzige Hoffnung", aus der Krise führe. Wer dem nicht folgt, mag sich erhängen, droht die Abbildung der 30 Silberlinge das Schicksal des Judas.5 an. Die Passionsinstrumente wurden ambivalent als Heils- und Richtzeichen verstanden, zumal sich aus dem "Sieg über den Tod" das "Jüngste Gericht" versteht.

Wer zu grüßen und durch wen Hoffnung zu erfahren gewesen ist, zeigt das Kreuz zweimal an: Zuerst obenauf, freilich unter dem "INRI", aber dann doch dominierend der Hahn. Er erzählt die Verleugnung des Petrus, bekannt auch vom Kirchturm für dessen Reue ist er eben auch ein Symbol für die Katholische Kirche (Petruslegende: Mk 14,30; Mt 16,18), deren unanfechtbares Oberhaupt, der Papst, als Nachfolger Petri Ap. angesehen ist; die Kirche ist durch den Leib Christi geschaffen und durch den Leib der Kirche ist Erlösung. Wer dann doch der Schrift mächtig war: Der Vexilla regis wurde von Palmsonntag bis Karsamstag in der Kirche gesungen.

1A. Ortmanns (ND 2002): Die Geschichte der Pfarre Mausbach. 2. Aufl. des Nachdrucks der Ausg. von Allerheiligen 1930 in der Stolberger Zeitungs- und Akzidenz-Druckerei B. Linzen. Arbeitskreis Geschichte Mausbach. S. 58.

2A. Ortmanns aaO.

3F. J. Ingermann (8.11.2024): E-Mail an Haro v. Laufenberg.

4Topographische Aufnahme der Rheinlande durch J. J. Tranchot und K. von Müffling (1803-1820): Tranchot/Maissiat, Trk Bl. 87 Eschweiler (1805/07) = Preußische Uraufnahme, K. von Müffling (1836-1850) online verfügbar über den Geobasisdatendienst tim-online des Landes NRW (zuletzt geprüft am 21.2.2025).

5Zur Präsenz des Judas im örtlichen Volksglauben Flurname 30 Silberlinge, Osterbrauch Klapperjungen.

Cholera-Kreuz (2003) im Januar 2020

Essiger Kreuz Dechant-Brock-Straße

50.759641, 6.272653; Q75F+V32 Stolberg

Am Ende der Dechant-Brock-Straße in Mausbach auf Höhe des Hauses 80 wird diese rückläufig zur Rothen Gasse hin und schließt solcherweise in einem Dreieck eine größere, von neun, denkmalgeschützten Linden gesäumte Fläche ein. Nach der Flur Im Essig, und danach auch der frühere Straßenname bis zur Eingemeindung nach Stolberg, nannte man sie Essiger Platz und seitdem das Kreuz dort steht auch Am Kreuz. Mithin seit 1900, denn in diesem Jahr wurde das Nischenkreuz seiner – an Flurkreuzen häufig inhaltlich gleich – ausgebrachten Inschrift nach errichtet. Im Hintergrund des Kreuzes drei Blöcke Konglomerat, ohne dass eine weitergehende Flucht erkennbar wird. Heute befindet sich am Ort – neben Kreuz und Konglomerat – ein Spielplatz.

Ausstattung und Inschrift

  • Sandstein/Eisen, Gesamthöhe 3.90 m, dreistufiges Podest
  • Passionskreuz Sandstein, Balken B x T 15 x 9 cm, Längsbalken L 112 cm. Corpus Eisenmetall, Kopf bis Fuß 50 cm, Klafterweite ca. 40 cm, Viernagelkreuzigung. Kreuzestitel in Metall anscheinend zum Teil abgegangen (vermutl. "INRI"). Kreuzfuß B x T x H 25 x 17 x 19.5 cm, eisenummantelt, Ummantelung hinten an den Außenseiten 3 : 3 verschraubt, vorne herausragender kleiner Sporn.
  • oben muschelartige Konche in Maßwerk zur Aufnahme der Hostie, zugleich Konsole für das Kruzifix
  • im Abschluss des Sockels nach oben adhäsiv aufgebrachte Marmortafel B X H 43 x 53 cm mit Inschrift "O crux, / ave, / spes unica! / 1900" ("Sei gegrüßt, o Kreuz, du einzige Hoffnung"), Text aus der liturgischen Verwendung des Kreuzeshymnus Vexilla regis, häufig anzutreffen auf Wegekreuzen (cf. bei Cholera-Kreuz)

Reste anscheinend ursprünglicher Bemalung in Weiß und Silber.

Nach der im AGM bekannten ältesten Abbildung des Essiger Kreuz aus den 1930ern war es wohl weiß getüncht, die Konche silbern ausgemalt und im Rahmen farbig abgesetzt. Es war mit einem Schmiedegitter umfriedet, von dem Fudamente noch sichtbar sind, und von vier Rosskastanien planmäßig begleitet. Die heute beim Kreuz zu sehenden zwei denkmalgeschützten Kastanien dürften noch aus der Zeit der Kreuzerrichtung stammen, die Linden wurden später gepflanzt (Linden und Rosskastanien).

Bedeutung

Die Stiftung des Kreuzes könnte in den Familien Dohmen oder Rösseler zu suchen sein, die in dieser Zeit hier hervorgehoben ansässig gewesen sind und u.a. hier Gastronomie betrieben haben. Im Hinblick auf die seinerzeit tatsächlich verbreitete Gläubig- und Frömmigkeit sicherlich ein Marketinginstrument. Das Wegkreuz wurde als Station der im Rheinland seit dem 17. Jh. besonders bedeutenden Fonleichnam-Prozession (cf. Fleuther Kreuz) angelaufen. Der Nische nach ist es von vornherein als Stationskreuz vorgesehen gewesen.

Essiger Kreuz im November 2024

Fleuther Kapellchen Vichter Straße/Fleuth

Logo Jakobsweg50.750102, 6.275808; Q72G+28V Stolberg

An der Vichter Straße "steht", so schrieb 1930 der Mausbacher Pfarrer und Chronist Arnold Ortmanns (1868-1938) aus offenbar eigener, sachkundiger Anschauung, "ein Kapellchen aus dem 17. Jahrhundert und enthält ein 60 Zentimeter hohes, gutes Barockbild der Schmerzhaften Mutter aus Holz geschnitzt". Ortmanns vermutete die Errichtung "zweifellos in den Schrecken des 30jährigen Krieges".1 Der Mausbacher Volksmaler August Fräntz (1899-1989) hat daraus das Datum "1637" entstehen lassen.2

1637 ist ein Narrativ geworden. Allerdings wurde das Fleuther Kapellchen – eher ein Kapellenbildstock als eine Kapelle – auch im 20. Jh. vor allem in Kriegszeiten von Gläubigen aufgesucht, was als kollektives Gedächtnis die Errichtung im Dreißigjährigen Krieg plausibel erscheinen lässt. Zunächst vielleicht als Breitpfeiler, wie die Konche mit der Marienklage vermuten lassen könnte.

Es ist heute noch gut frequentiert, wovon diverse neue Votivgaben zeugen, und insbesondere in der Corona-Pandemie 2020 bis 2023 ist es eine Anlaufstation für Gläubige gewesen. Über das Kapellchen besteht auch seit Jahrzehnten eine Patenschaft, die in unbestimmter Folge von örtlich ansässigen Familien übernommen wird.

Schmerzensmutter

Die hölzerne Pietà gibt es nicht mehr. An ihrer Statt steht die hier abgebildete, neu bemalte bzw. im Farbanstrich aufgefrischte Pietà aus Ton, Umfang max. 80 cm, Höhe rund 53 cm. Im Vergleich von außen und innen ist der Ton anscheinend in ein Modell verfüllt worden. Auffällig die unproportionierten Hände und Füße (am Leichnam auch zueinander). In der Dornenkrone sind 2.5 bis 3.5 mm starke Drahtstifte zu sehen, offenbar verzinkt oder aus Zink, jedenfalls maschinell gezogen (evtl. Stacheldraht ?). Unter den Passionswerkzeugen auf dem grünen Grund (v. re.: Zange / Hammer / Nagel, vier verstreute Spielwürfel W6, Schlägel (Knochen) und Speer gekreuzt), fällt der Würfel mit den drei Augen auf: Diese sind in Form eines Delta angeordnet. Auf der Rückseite der Figurengruppe unten eine eingeprägte Marke: "J [?] · B", rechts daneben schwarz geschrieben "W. VAßEN".

Mit Sicherheit nachträglich ist der Maria die 4 cm hohe Lilienkrone aus versilbertem Messingblech im Durchmesser von 6 cm und von 1 mm Stärke, besetzt mit mantelgefassten Glassteinen im Brilliantschliff in Imitation von Rubin und Aquamarin, aufgesetzt worden. Sie bedeckt die rechts abgeplatzte, originale einfachzackige, halb so hohe und goldfarbene Krone. Es fehlen zwei Lilien, andere sind gelötet, eines der roten Glassteinchen ist herausgefallen.

Die Skulptur ruht aufgrund eigener Schwere auf einem rund 14 cm hohen, 28.8 cm breiten und 21.5 cm tiefen Sockel mit Tischlerplatte im Boden. Sie wird elektrisch illuminiert. Dazu sind Fassungen für im Ende des 20. Jh.s handelsübliche Christbaumkerzen oben auf dem Sockel aufgeschraubt.

Provenienz

Wann und warum die Marienklage ersetzt worden ist, lässt sich bis heute nicht klar nachvollziehen. Nach der Erinnerung von Willi Beissel (*1934), der unweit des Kapellchen gelebt hat, ist dasselbe im Zweiten Weltkrieg unbeschädigt und darüber hinaus unverändert geblieben.3 Demnach wäre die Pietà zwischen 1930 und 1939 (1944?) ersetzt worden.

Auch konnte der Töpferstempel "J [?] · B" noch nicht zugeordnet werden. Die erste Initiale ist nicht klar erkennbar: nächstliegend "J" oder "I", vielleicht "H". Evtl. war ein Töpfer aus Langerwehe am Werk. 1870 trat Jacob Bruing als Langerweher "Töpfe-Fabrikant" dem "Langerweher Töpfer-Verein e.G." bei.4 Tönernde Devotionalien aus Langerwehe sind für das 20. Jh. etwa ab den 1920ern bei der Fa. Kuckartz und Rennertz beschrieben.5 Solcherweise, so heißt es aus der Töpferei im Langerweher Töpfermuseum, seien Gipsmodelle aus Köln verwendet worden.6 — Es besteht eine gewisse Ähnlichkeit in den unproportionierten Extremitäten hier mit einer Hausmaria in Büsbach.

W. Vaßen war ein Bauer auf der Fleuth.7 Vielleicht ist er der Stifter der tönernen Pietà gewesen.

Mithin mag es sich bei der heute zu sehenden Marienklage um Kunstgewerbe handeln, vorerst und vorsichtig eingeschätzt 19./20. Jh.

1A. Ortmanns (ND 2002): Die Geschichte der Pfarre Mausbach. 2. Aufl. des Nachdrucks der Ausg. von Allerheiligen 1930 in der Stolberger Zeitungs- und Akzidenz-Druckerei B. Linzen. Arbeitskreis Geschichte Mausbach. S. 49.

2Eine Quelle, die das Entstehungsjahr 1637 nahelegen könnte, ist nicht bekannt. Willi Beissel (*1938) aus Mausbach hat im September 2024 in einer mündl. Mitteilung an H. v. Laufenberg angegeben: Fräntz habe ihm gegenüber geäußert, er, Fräntz, habe das Jahr 1637 aus künstlerischer Freiheit angenommen.

3W. Beissel (7.9.2024): Mündl. Mitteilung an Haro v. Laufenberg.

4Unterzeichnete Satzung des Langerweher Töpfervereins von 1870, abgedruckt in: J. Schwarz, B. Sielmann (1984): Das Langerweher Töpfergewerbe in der Vergangenheit. Überarb. ND aus der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Jg. 1937 (Bd. 58, S. 1-56). S. 56-64, 64.

5J. Schwarz, B. Sielmann (1984) aaO. S. 46.

6Lothar Kurtz (1.12.2024): Mündl. Mitteilg. an H. v. Laufenberg. Töpfereimuseum Langerwehe.

7W. Beissel (7.9.2024): Mündl. Mitteilung an Haro v. Laufenberg.

Pietà im Fleuther Kapellchen und dasselbe im Oktober 2024

Fleuther Kreuz Süssendeller Straße

Logo Jakobsweg50.7526819, 6.2784820; Q73H+39H Stolberg

In Mausbach an der Süssendeller Straße 6 erinnert das sog. Fleuther Kreuz an den Standort der ehemaligen Nikolauskapelle, die Mitte des 18. Jh.s. als zerfallen und neu aufzubauen gegolten hat. Der hl. Nikolaus ist der ursprüngliche Schutzpatron Mausbachs. Nach einer von W. Frentz zitierten Dotationsurkunde zugunsten des Nikolaus-Hospitals in Kornelimünster steht der Heilige solchermaßen auch schon seit 1178 in Beziehung zu Mausbach.1 Die ihm geweihte Kapelle wurde 1880 abgebrochen und 1902 an ihrer Statt das abgebildete Stationskreuz für die Fronleichnam-Prozession errichtet.2 Als solches hat es große Ähnlicheit mit dem Kreuz im Pfarrer-Ortmannspark.

Ausstattung

  • Naturstein, Höhe über alles ca. 3.83 m, Kruzifix mit Fuß ca. 2 m hoch, Postament 1.49 m mit Stufen 17 und 16 cm hoch (ursprüngl. dritte Stufe aktuell auf Bodenniveau)
  • Kalvarienkreuz, Arme oben und quer in freien Endungen passförmig mittig spitz dreinasig, Querbalken mit Winkelvoluten, im Schwellenfuß vorne im Halb mittig aufgelassener Tisch für die Hostienmonstranz (ornamental als Krater)
  • Dreinagelkreuzigung, NE-Metall (evtl. Bronze), ca. 80 cm hoch
  • Sockel max. 84 cm breit, 78 cm tief, vier Seiten mit Kartuschen 59.5 x 79 cm, avers und revers mit Inschrift

Inschriften

in Antiqua

  • avers: Text lateinisch aus dem Cantus zu Mat 25,31: "Hoc signum Crucis / erit in co[sic!:a]elo / Cum Dominus / ad judicandum / venerit / —" [tunc manifesta erunt abscondita cordis nostri]
  • revers: "An Stelle der Kapelle / errichtet 1902."

Übersetzung aus dem Lateinischen:

"Dieses Zeichen des Kreuzes wird am Himmel erscheinen, wenn der Herr zum Gericht erscheinen wird." [Dann wird das Verborgene unseres Herzens offenbar werden.]

Bedeutung

Fronleichnam hat im Rheinland wie in Bayern für die Gläubigen der Katholischen Kirche große Bedeutung gehabt. Entstanden aus einem Flur- und Feldsegen ist eine erste Fronleichnamprozession 1247 für Lüttich belegt. In der Gegenreformation war sie die wichtigste Machtdemonstration der Katholischen Kirche und setzte sich als solche im 17. Jh. im Rheinland durch. Dieser Zeit herrschten die Wittelsbacher, also Bayern, auch als Kurfürsten und Erzbischöfe von Köln (ununterbrochen von 1583 bis 1761). In Mausbach und Umgegend ist die Fronleichnam-Prozession bis in das Ende des 20. Jh. tradiert worden.

Das Kreuz liegt am Jakobsweg über Kornelimünster nach Aachen bzw. am Wallfahrtsweg nach Kornelimünster und über Kornelimünster nach Trier und Aachen, zuvor schon die Kapelle, die zudem an der Düren-Eupener Handelsstraße gelegen eine Anlaufstation von überörtlicher Bedeutung gewesen sein dürfte (Kartenausschnitt).

1W. Frentz (1992): 842 Crasciniacum – 1992 Gressenich; Eine Ortschronik. Hrsg. R. Scholl. Gressenicher Ortsverein. S. 68 m.w.N. — Die Benediktiner gelten als die Verbreiter des Nikolaus-Kults im Rheinland. Kornelimünster war eine Benediktiner-Abtei und der Abt übte die Grundherrschaft in Mausbach aus.

2A. Ortmanns (ND 2002): Die Geschichte der Pfarre Mausbach. 2. Aufl. des Nachdrucks der Ausg. von Allerheiligen 1930 in der Stolberger Zeitungs- und Akzidenz-Druckerei B. Linzen. Arbeitskreis Geschichte Mausbach. S. 47f.

Fleuther Kreuz im Oktober 2024

Friedhofskreuz Pfarrer-Ortmanns-Park

50.7580157, 6.2765656; Q75G+6J4 Stolberg

Im Pfarrer-Ortmanns-Park in Mausbach steht ein Kreuz, das als das große und ältere Geschwister des Fleuther Kreuzes erscheint: Es ist ein Friedhofskreuz. Denn der Pfarrer-Ortmanns-Park war im 19. Jh. bis in die Nachkriegszeit hinein Friedhof. Daneben gab es noch den Kin­der­fried­hof zwischen Gressenicher Straße und Düre Koof/Robert-Koch-Straße. Der auf dem Gelände des heutigen Parks aber war der eigentliche, 1873 an die Zivilgemeinde übergegangene und um dieselbe Zeit erweiterte, Mausbacher Kirchhof. Er wird bereits mit dem Bau der Markuskirche angelegt worden sein. Denn der Tranchotkarte1 nach erfüllte die Lage die Anforderung an den Mindestabstand gemäß dem Reformedikt vom 12. Juni 1804 zum Bestattungswesen und im ersten Mausbacher Sterbebuch lautet der erste Eintrag auf den 16. April 1805, mithin noch vor Pfarrerhebung am 14. September 1805, dass auf "unserem neuen Friedhof" bestattet worden ist.2

Für eben diesen wurde das Kreuz von Pfarrer Matthias Grein (1800-1883, Pfarrer 1844-1883) mit Hilfe der St.-Sebastianus-Schützen beschafft.3 Errichtet wurde es laut Inschrift am 16. April 1858. Zeitnah ließ Pfarrer Grein laut der Ortmanns-Chronik "das große Stationskreuz vor der Knabenschule" aufstellen4, also auf dem Markusplatz, damals "Marktplatz" geheißen, und dort stand dieses wohl noch im Anfang der 1950er (cf. Marktkreuz).

Ausstattung

  • Blaustein/Eisen, Höhe über Boden und über alles ca. 3.85 m, vierstufiges Podest 2.09 x 3.25 m
  • Kalvarienkreuz, ca. 1.95 m hoch, Arme oben und quer in freien Endungen passförmig mittig spitz dreinasig, Querbalken am Längsbalken mit Winkelvoluten, Balkenstärke durchgehend 15 cm, im Schwellenfuß vorne im Halb mittig aufgelassenes Ornament (ornamental wohl als Krater, evtl. Vase gedacht; praktisch: Konsole für Monstranz, ansonsten Beschmückung)
  • Dreinagelkreuzigung Eisen, Corpus Kopf bis Fuß ca. 100 cm
  • Sockel, Deckel nach unten abgestuft max. 92 cm x 88.5 cm, im Mittelteil 70 cm B, 65 cm T, vier Seiten mit ca. 86 cm hohen und 56 cm breiten Kartuschen (inkl. Rahmen)

Inschriften

stark verwittert, in Antiqua

  • auf dem oberem Kreuzarm quer von links unten nach rechts oben: "JNRJ"
  • auf dem Postament in der Kartusche avers deutsch nach dem Philipperbrief 2,8 im Neuen Testament; die erste Zeile ist schwer und nicht mehr vollständig zu entziffern:

    "ER VERDEM[ü]TJGTE / SJCH UND WARD GEHOR / SAM BJS ZUM TODE / WAR BJS ZUM TODE / AM KREUZE / PHJL II VIII / ERRJCHTET / AM 16. APR. 1858"

Anm.: Es soll nicht berufen werden, dass Reste von Hakenkreuz-Schmierereien neuerer Zeit auf dem Sockel zu sehen seien, zumal die Hakenkreuze falsch herum drehen würden. Unterdessen ist in den Schriften des Paulus Ap., dem der Philipperbrief zugeschrieben wird, eine Quelle für historischen Antijudaismus in der Kirche, mithin auch der evangelischen, gesehen worden.

1Topographische Aufnahme der Rheinlande durch J. J. Tranchot und K. von Müffling (1803-1820): Tranchot/Maissiat, Trk Bl. 87 Eschweiler (1805/07) online verfügbar über den Geobasisdatendienst tim-online des Landes NRW (zuletzt geprüft am 21.2.2025)

2Digitalisat des Mausbacher Sterbebuchs 1805-1851: R. L. Sauer, Abruf v. 1.12.2024. Es handelte sich um die Bestattung eines Kleinkindes, das im Zeitpunkt des Versterbens bereits getauft war.

34A. Ortmanns (ND 2002): Die Geschichte der Pfarre Mausbach. 2. Aufl. des Nachdrucks der Ausg. von Allerheiligen 1930 in der Stolberger Zeitungs- und Akzidenz-Druckerei B. Linzen. Arbeitskreis Geschichte Mausbach. S. 20.

Friedhofskreuz Ortmanns-Park im Oktober 2024

Marktkreuz Markusplatz

50.757392, 6.276956; Q74G+XQ4 Stolberg

Seit 1953, so heißt es in der Literatur, stehe das "Marktkreuz" auf dem Markusplatz in Mausbach, und zeitgleich sei das dort ursprüngliche, neogotische Große Stationskreuz aus Blaustein für die Fronleichnam-Prozession entfernt worden.1 Dessen Aufstellung war von Pfarrer Matthias Grein nach 1858 veranlasst worden (cf. Friedhofskreuz). Es soll beschädigt gewesen sein.2

Das Marktkreuz, das alte als auch das neue, ist so genannt, weil zur Zeit der Errichtungen der Markusplatz "Marktplatz" hieß und Mausbach zur Gemeinde Gressenich gehörte.

Ein zwischen 1955 und 1960 entstandenes Foto3 zeigt das alte Kreuz indes ohne Beschädigung und belegt, dass es nicht vor 1955 abgebrochen worden ist. Denn das zweifelsfrei authentische Foto bildet links einen Pkw ab und dieser DKW F 93 (auch: DKW 3=6) wurde erst ab 1955 und bis 1959 gebaut.

Dasselbe Foto zeigt das Kreuz von hinten, vor der Markuskirche, deren heutiger Turm in den 1960ern entstand. Es ist ein Nischenkreuz, das vorne, wie auf dem vermutlich älteren Foto erkennbar eine Nische für die Aufnahme der Monstranz vorsah, hinten aber auch eine, die offensichtlich einer Madonna diente.

Dieses alte Kreuz dürfte der autogerechten Herrichtung des Marktplatzes geopfert worden sein. Es stand jedenfalls anders als jetzt das Marktkreuz zum Ausgang des Platzes auf die Krewinkeler Straße hin und solcherweise dem Autoverkehr wohl im Wege. Vielleicht hat man es bei den Bauarbeiten auch kurzerhand umgefahren, wie dies später dem Cholera-Kreuz (Neuerrichtung an der Rothen Gasse) wohl passiert ist, und daher heißt es, es sei beschädigt gewesen.

Ausstattung neues Marktkreuz

  • Basalt/Bronze, Höhe ca. 3 m
  • Passionskreuz, Corpus Bronze, Viernagelkreuzigung mit Königskrone
  • Sockel trapezförmig mit vorgestelltem, rechteckig abgesetztem Tisch für Monstranz oder Blumenschmuck
  • zweistufige Einfriedung, Vorplatz gepflastert

Bedeutung neues Marktkreuz

Das Kreuz ist ganz im Stil der Aufbruchstimmung in der Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg gestaltet: Schon in Basalt weicht es vom traditionellen Blaustein ab, die Viernagelkreuzigung zeigt eine Renaissance der Romanik an, im Wesentlichen aber wird nicht mehr das seit der Gotik manifestierte Leiden in den Mittelpunkt der Darstellung gerückt, sondern Christus als Triumphator gezeigt. So trägt er hier am Kreuz auch keine Spottkrone mehr, sondern statt dieser Dornenkrone eine wahre Königskrone.

1W. Schindler (2024): Zeugen der Geschichte und Geschichten; Stolbergs Wegekreuze, Kapellen, ... Stolberg: Stolberger Heimat- u. Geschichtsverein (Beiträge zur Stolberger Geschichte, Bd. 36), S. 95.

2H. Koll (2006): Mausbach; Unser Dorf im Wandel der Zeiten. S. 18.

3W. Vellen (1960): Den Namen gaben die Oberfranken. In: Heimatblätter des Kreises Aachen, Heft 2, 16. Jg. S. 39.

Marktkreuz im November 2024

Oebelkreuz Gressenicher Straße 85

50.761479, 6.283094; Q76M+H6W Stolberg

An der Gressenicher Straße 85 in Mausbach, kaum zu übersehen die Tankstelle anbei, steht ein Votivkreuz, das sog. Oebelkreuz. Es ist nach dem Mausbacher Johann Oebel oder dessen hier ansässigen Familie benannt. Johann Oebel hat es in der Zwischenkriegszeit bis 1930 aus Anlass seiner Rückkehr aus dem Weltkrieg 1914-1918 errichten lassen.1

So mag der Kreuzfuß als eine konservative Note an Art déco, den Reformstil erinnern als unbedingt an Neogotik, wie sie für eine Errichtung in den 1870er Jahren zu vermuten wäre2. Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 kam indes kein Mausbacher zu Tode, was auf die Anwesenheit des Gnadenbilds zurückgeführt wurde. Im industriellen Weltkrieg 1914-1918 wirkte dies jedoch nicht. Da wäre ein Votiv also eher angebracht gewesen und auch so passt das Kreuz ganz gut zu der angegebenen Zeit in die 1920er Jahre.

Es steht auf einer Betonplatte in einer mittlerweile mehrfach abgeänderten, rechteckigen Umfriedung, in den Ecken insges. vier stockhohe Betonpfeiler, die über drei Seiten mit Eisenketten verbunden sind. Ursprünglich umgab das Kreuz eine schulterhohe, ornamental durchbrochene Mauer. Das ursprüngliche Kruzifix stürzte infolge Windbruchs ab und wurde 1986/87 im Stein ersetzt.3

Ausstattung

  • Kunststein/Blaustein/Metall, Höhe ca. 2.85 m von oberster Podestplatte
  • Podest Beton insges. 1.2 x 1.80 m
  • Kalvarienkreuz, ca. 1.07 m hoch, Kreuzbalken (1986/87 erneuert) längs ca. 65 cm, quer ca. 45 cm, Tiefe 12 cm
  • Dreinagelkreuzigung auf Suppedaneum, Metall (evtl. Bronze)
  • am Sockel oben Hängezapfen (= Konsole für Beschmückung des Kreuzes), avers in Kartusche 43.5 x 80 cm Maßwerk mit goldfarben ausgemalter Inschrift

Inschrift

in einer Textura: "IHS* / Im Kreuz / ist Heil".

*IHS = Jesus oder: Iesus Hominum Salvator "Jesus, Erlöser der Menschen", volksetymologisch auch "Jesus, Heiland, Seligmacher"

Bedeutung

Es ist ein Votiv. Zum einen der glücklichen Rückkehr des Stifters aus dem Ersten Weltkrieg wegen. Zum andern soll die Inschrift mehrdeutig sein: "Im Kreuz ist Heil" ist ein auf Flurkreuzen häufig verwendetes Zitat aus dem Erbauungsbuch von Thomas von Kempen, das zu den verbreitetsten Schriften des Christentums zählt4 und auch die Devise des Kreuzherrenordens (lat. In Cruce Salus). Zugleich soll sie auf Rückenschmerzen anspielen, volkssprachlich "es im Kreuz haben": Am Standort wurde bis 1954 ein Bau- und Gartenhandel mit körperlich anspruchsvoller Arbeit betrieben5.

Das Suppedaneum (lat. "Fußbank") in christlicher Kunst ist das den Gekreuzigten stützende Fußbrett (s. Abb. hier oben Bild mit Corpus). Durch Entlastung der Arme verzögert es den Erstickungstod und verlängert damit den Todeskampf. In dem aus der 1. Hälfte des 1. Jh.s. aus Rom bekanntem Graffiti mit dem Spottkreuz ist es für die Kreuzigung Christi angezeigt. Perfider und entwürdigender war das Sitzbrett (lat. sedile). Die biblische Anleihe für die Ikonographie mag Psalm 99.5 in christlicher Interpretation liefern, und zwar in dem Schemel: das Suppedaneum ist in der Antike die insignienhafte Fußbank vor dem Thron eines Herrschers. Dieser nach ist es bis zum 12. Jh. mit der Viernagelkreuzigung verbreitet, mit eher stehendem als hängendem Christus, dieser auch mit geöffneten Augen, also am Kreuz lebend. Denn es ist dies der Triumph des Gekreuzigten als Sieger über Sünde und Tod und seine Darstellung als Herrscher. Ab der Gotik wird statt auf den Sieg Christi auf dessen Opfertod fokussiert und in der Kunst kommt zur Dramaturgie des Leidens die Dreinagelkreuzigung mit Mitleid erregend hängendem Christus auf, die bis in das 20. Jh. dominiert. Indes kommt dieser Dreinageltyp insbesondere auch in der Neogotik ohne Fußbrett aus, um durch übertontes Hängen die visuelle Dramaturgie des Leidens zu steigern.

Weil der Pfarrer nicht so gut bei Fuße war, wurde das Votivkreuz – mithin nicht so ganz offiziell und ohne Nummer – seit Ende des 20. Jh.s als Stationskreuz in die solcherweise verkürzte Fronleichnamprozession (cf. Fleuther Kreuz) angelaufen.6

1356Hinweise zur Gestehung und Verwendung von Thorsten Oebel, mündl. Mitteilung an H. v. Laufenberg am 31.10.2024.

2Für 1874 angenommen von W. Schindler (2024): Zeugen der Geschichte und Geschichten; Stolbergs Wegekreuze, Kapellen, ... Stolberg: Stolberger Heimat- u. Geschichtsverein (Beiträge zur Stolberger Geschichte, Bd. 36), S. 102.

4Thomas a Kempis (1418): De imitatione Christi. 1. Buch, 12.2. — Im Übrigen cf. Gal 3,13: vom Fluch zur Versöhnung, danach Litanei "Im Kreuz ist Heil" = Einheitsgesangbuch-Kommission: Gotteslob; Kath. Gebet- und Gesangbuch, Nr. 563, ältere Ausgg. eg. Bist. Aachen (1995): Nr. 205.

Oebelkreuz im Oktober 2024

Pilger-Gedenkstein von 1983 Süssendell/Steinbahn (Gressenicher Wald)

50.739236, 6.309869; P8Q5+MWX Stolberg

An der Steinbahn, südöstlich von Süssendell im Gressenicher Wald auf den Zweifaller und Rotter Wald zu steht an der Wegquerung von Süssendell aus links (Nordost) ein Gedenksstein, der an die organisierten Mausbacher Wallfahrten 1883 bis 1983 nach Heimbach erinnert. Errichtet wurde er von der Mausbacher Heimbach-Bruderschaft 1983 unter dem Bruderschaftspräfekten Hubert Jörres.

Ausstattung

  • Konglomerat, Höhe bis. 1.03 m, Breite bis 1.40 m, Tiefe bis 30 cm
  • eingelassene Bronzeplatte 40 x 40 cm x 7 mm

Bronzeplatte

  • Vignette mittig: Pietà
  • 3/4-Umschrift (9h - 3h - 6h) in Fraktur "Mausbach 1883-1983 Heimbach"

Das Motiv der Bronzeplatte erscheint fernerhin auf einer Medaille zum 100. Jubliäum der Mausbacher Heimbachwallfahrt.

100 Jahre Heimbachprozession aus Mausbach

Museumskatalog