Kleindenkmale 3. Wirtschaft und Verkehr
EllerbergkreuzGressenich, Ellerberg
50.766527, 6.307947; Q885+J58 Stolberg
Von Gressenich aus in südlicher Richtung zum Ellerberg hoch, am Ende des gleichnamigen Wegs am Waldsaum, verläuft der Jakobsweg über Kornelimünster zum Sammelpunkt Aachen bzw. der Weg für die Heiligtumsfahrt nach Kornelimünster und die Wallfahrt über Kornelimünster nach Trier. Er kommt den von Gressenich aus Wandernden links (Ost) von Schevenhütte, rechts (West) geht es weiter in Richtung Krewinkel, durch Krewinkel und weiter am Südrand von Mausbach entlang in die Fleuth und nach Vicht.
Der Weg von Schevenhütte ist bereits in der Tranchotkarte für 1805/06 erfasst und ebenda wenig hinter der Abzweigung ein Wegkreuz.1 Soweit vermutet wird, um 1870 sei hier ein Holzkreuz errichtet worden2, dann dürfte es sich dabei, wenn die Vermutung zutrifft, also um eine Ersetzung gehandelt haben (in der preußischen Uraufnahme 1842-1850 ist das Kreuz nicht verzeichnet). Das aktuelle Kreuz ist denn auch eine Ersetzung. Der Lage am Pilgerweg wegen könnte hier schon vor 1805 ein Flurkreuz gestanden haben.
Ausstattung
- Passionskreuz Eisen, Höhe mit Postament ca. 1.59 m, mit Fundament über Boden aktuell ca. 2.09 m
- Balken aus Eisenrohren, ca. 4 cm ⌀, 113 cm längs, 71 cm quer; an den Enden beknöpft, im Schnittpunkt umringt (= Rad- oder Hochkreuz)
- Postament Schieferstein, 18 cm hoch auf 48 x 48 cm und 28 cm hoch auf 60 x 60 cm
- Fundament aus Feldsteinen und Beton, aktuell ca. 50 cm hoch über Boden
- Viernagelkreuzigung Eisen, hohl, silberfarbener Anstrich, von Kopf bis Fuß 33 cm, im abgewinkelten Klafter 28.5 cm, Stichwunde aufgemalt und in der Form nicht vorgesehen (zur Erl. Viernagelkreuzigung Hausfigur Dechant-Brock-Str.)
Aktuelle Votivgaben: Blumenschmuck aus Plastik, ein Raffaels Engel aus Steinguss
Bedeutung/Provenienz
Das Ellerbergkreuz ist ein Flurkreuz zur Erbauung und Ermahnung und Wegweiser auf dem Pilgerweg nach und über Kornelimünster nach Trier und Aachen.
Der Corpus ist ein Gegenstück zu dem am Kranzbergkreuz ("Donatuskreuz", rund 3.3 km Luftlinie SW: 50.7458545, 6.2756070). Die Verbindung zwischen beiden Kreuzen ist der Pilgerweg. Evtl. daher die gleichen, in der Formgebung und den Abmessungen identischen Corpi, die indes in industrieller Zeit angebracht worden sind, wobei dieser Typ weit verbreitet ist, so etwa auch in Österreich3.
Die Aufmalung der Stichwunde ist offensichtlich neueren Datums, die Form schon sieht diese nicht vor, woraus ein Fokus auf die Leidensdarstellung entsteht und damit einer, der hinter der Aufbruchstimmung in der Katholischen Kirche seit der Nachkriegszeit (cf. Marktkreuz) zurück bleibt.
1Topographische Aufnahme der Rheinlande durch J. J. Tranchot und K. von Müffling 1803-1820: Tranchot, Trk Bl. 88 Langerwehe (1805/06). Kartenausschnitt
2W. Schindler (2024): Zeugen der Geschichte und Geschichten; Stolbergs Wegekreuze, Kapellen, ... Stolberg: Stolberger Heimat- u. Geschichtsverein (Beiträge zur Stolberger Geschichte, Bd. 36). S. 106.
3Vgl. den Corpus im Scheibermüllermarterl, Steiermark (Bild zitiert nach J. Steinberger und G. Freigaßner: Die kleine Welt des Glaubens, Zeichen des Glaubens in der Region Obdach und Weißkirchen, CC BY 3.0 at, Wikimedia) – die Provenienz dort war allerdings auch noch nicht in Erfahrung zu bringen.
Kranzbergkreuz Flur "Am Kreuz"/Großer Kranzberg (Vicht)
50.745854, 6.275607; P7WG+86X Stolberg
Folgt man der Fleuth von Mausbach aus in Richtung Vicht auf den Großen Kranzberg zu (oder am Ende der Vichter Straße von NW links dem Stichweg und dann rechts), steht auf der Flur "Am Kreuz" rechts des Weges ein Flurkreuz, seiner Inschrift nach von 1900. Bereits 1820 war hier in der Tranchot-Müffling-Karte ein Wegkreuz eingetragen1 und auch in der preußischen Uraufnahme ab 18422. Nach mündlicher Mitteilung (2019) des Mausbacher Volkskünstlers und Heimatkundlers Heinz Peters ist das jetzige, hier abgebildete, als "Donatuskreuz"* überliefert; vermutlich sei dort jemand vom Blitz getroffen worden3 (Sage?).
*Donatus ist ein im Rheinland beliebter Katakombenheiliger (so auch Donatus-Kapelle im Bend bei Schevenhütte). Er wurde als Wetterheiliger insbesondere zuständig gegen Blitz, Donner und Hagelschlag von den Jesuiten installiert, um der noch im 17. Jh. im Rheinland in Bräuchen als 'Beiglaube' nachwirkenden vorchristlichen Vorstellung vom Wettergott Donar entgegenzusteuern. Katakombenheilige sind bei Tiefbauarbeiten in Rom gefundene Gebeine, die getauft und auf vage Hinweise oder willkürlich zu Heiligen zusammengesetzt und mit einer Vita bedacht, dann wieder zerlegt und kommerziell oder als Gunsterweis vertrieben wurden, im Höhepunkt im 17. und 18. Jh. So ist auch der hl. Donatus nach Münstereifel gekommen.
Ausstattung, Auf- und Inschrift
- Eisen, Höhe ca. 1.75 m, auf eingelassenem 31 x 27 cm Betonsockel verschraubt
- Passionskreuz, Balken Breite ca. 10 cm, Stärke ca. 7 mm = U-Träger aus Eisenmetall, in den Enden (längs oben, quer außen) zu Gleven/Lilien aufgebogen, Querbalken als zwei einzelne U-Trägerstücke am Längsbalken aufgenietet
- am Querbalken drei Bleche, anscheinend Weißmetall, mit Aufschrift, Bleche links und in der Mitte silberfarbig gestrichen, in der Mitte gebrochen, rechts erneuert: "Rette / Deine / Seele"
- Viernagelkreuzigung Eisen, hohl, silberfarbener Anstrich, von Kopf bis Fuß 33 cm, im abgewinkelten Klafter 28.5 cm (zur Erl. Viernagelkreuzigung Hausfigur Dechant-Brock-Str.), Sicherheitsschrauben
- am Fuß in umlaufendem Silberanstrich Inschrift: "1900"
Bedeutung/Provenienz
In seiner Architektur ist das Kranzbergkreuz und mithin in seinen Konstruktionsgrundlagen ein Gegenstück zum Gottfriedkreuz im Gressenicher Wald (rund 2.5 km Luftlinie SO: 50.739268, 6.309803). Der Corpus ist ein Gegenstück zu dem am Ellerbergkreuz, das Flurkreuz am südlichen Ende Ellerberg von Gressenich aus (rund 3.3 km Luftlinie NO: 50.766527, 6.307947). Hier (hist. Kartierung) wie dort (hist. u. akt. Kartierung) ein Flurkreuz am Jakobsweg über Kornelimünster bzw. am Wallfahrtsweg nach Kornelimünster und über Kornelimünster nach Trier und Aachen. Evtl. daher die gleichen Corpi aus freilich industrieller Produktion, die weit verbreitet ist, so etwa in Österreich4.
W. Schindler deutet die in Gleven auslaufenden Kreuzarme offenbar als ornamentale Andeutungen von Blitzen, spricht selber aber eben auch von "lanzenförmigen Spitzen".5 Blitze werden im Allgemeinen mit Pfeilspitzen und meist als in Bewegung zackig oder gewellt (zuckender, meist niederzuckender Blitz) stilisiert und es sind die Köcher für Blitzbündel, die an den Enden aufrollen.6 Die Lilien indes, das sind auch Gleven, rollen auf, weil sie den Weg zum göttlichen Himmel weisen, hier wohl auch als der Glanz, der vom Körper Christi ausgeht. Im Übrigen sind die Lilien Attribut der jungfräulichen Gottesmutter. Vielleicht ist in volkssemiotischer Interpretation der proportionierten und solcherweise etwas feurig geratenen Gleven eine Vorstellung entstanden, dass es hier zu einem Blitzunfall gekommen sei.
Die Aufschrift auf den Blechen ist für ein Votiv verständlich und zugleich Charakter eines Erziehungsdenkmals. Es mag sich um ein Votivkreuz handeln, falls es den Blitzschlag dort gegeben hat und dieser überlebt worden ist. Der Blitzunfall scheint bald mehr doch in den Bereich der Sage zu gehen. Wahrscheinlicher dürfte ein Ermahnungskreuz und zugleich Wegweiser für Pilger sein. Ein Donatus-Kreuz auf dem Feld macht aber auch Sinn, die Ernte zu schützen.
An selber Stelle das Kreuz vor 1820 und vor 1850 (W. Schindler nennt es erst für 18937) ist vermutlich aus Holz gewesen und infolge der Verwitterung ist dieses hier der Inschrift nach also ein Ersatz von 1900. Zumal aus Eisen und der Gleven wegen, könnte es sich um ein von einem Friedhof versetztes Kreuz handeln.
1Topographische Aufnahme der Rheinlande durch J. J. Tranchot und K. von Müffling 1803-1820: Müffling, TM Bl. 96 Kornelimünster. Kartenausschnitt
2Preußische Uraufnahme der Rheinlande 1842-1850, K. von Müffling. Kartenausschnitt
3H. Peters (2019): Mündl. Mitteilung an H. v. Laufenberg.
4Vgl. den Corpus im Scheibermüllermarterl, Steiermark (Bild zitiert nach J. Steinberger und G. Freigaßner: Die kleine Welt des Glaubens, Zeichen des Glaubens in der Region Obdach und Weißkirchen, CC BY 3.0 at, Wikimedia) – die Provenienz dort war allerdings auch noch nicht in Erfahrung zu bringen.
5W. Schindler (2024): Zeugen der Geschichte und Geschichten; Stolbergs Wegekreuze, Kapellen, ... Stolberg: Stolberger Heimat- u. Geschichtsverein (Beiträge zur Stolberger Geschichte, Bd. 36). S. 85.
6Vgl. z.B. mit zahlr. Abb.: A. Henkel u. A. Schöne (Hrsg., 1978): Emblemata; Handbuch zur Sinnbildkunst des XVI. und XVII. Jahrhunderts. Stuttgart: J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlg.
7W. Schindler aaO. – Das ist die preußische Landesaufnahme in der 1. Ausg. 1893.